Hommage an den Feminismus

Heute wurde nicht gebacken und es folgen auch keine hübschen Bildchen. Nein, heute wollte ich – ganz selbstständige Frau von heute – den Rasen mähen und einen Strauch einpflanzen und überhaupt den ganzen Garten winterfest machen, wenn man ja schon mal dabei ist. Da würde mein Mann aber Augen machen! Die frisch manikürten Nägel ignorierend, machte ich mich also ans Werk.

Wie ging das noch mit dieser Kabelrolle? Und warum lässt sich das Ding nicht einschalten? Ich rüttle gute fünf Minuten daran herum und schreibe dann frustriert an meinen Mann, den ich mit dem optimalen Ergebnis ja eigentlich überraschen wollte. Gemäss seiner Anleitung und nachdem der Stecker samt Adapter zweimal an die Wand geflogen ist, läuft der Rasenmäher. Ganz schön mühsam, dieses Kabel, das einem entweder immer im Weg liegt oder aus der Buchse fällt. Nach ein paar Bahnen verliert mein treues Gerät ein Rad. Nun gut, anschrauben, weitermachen. Kabel fliegt raus, Rad fällt ab, Wiederholung. Ich werde zunehmend genervter. Die Nachbarin – ganz die selbstständige Frau von heute – grinst rüber. Das Duo aus rausfallendem Kabel und abfallendem Rad hat mich soweit, dass ich Letzteres in hohem Bogen Richtung Terrasse werfe und auf drei Rädern weitermähe.

Nach dem dritten Aufheulen der gar nicht mehr so treuen Maschine und dem Anblick nackter, brauner Erde wo bis vor Kurzem noch der prächtige Rasen meines Mannes gediehen ist, erahne ich das Endergebnis. Ich spiele kurz mit dem Gedanken, den Mann der Nachbarin um Hilfe zu bitten. Inzwischen fühle ich mich so unfähig, dass mich sein Spruch über Frauen am Steuer nur noch beschämt und nicht mehr nervt. Wie war das mit dem Feminismus?

Da dröhnt die verhasste Maschine so richtig laut auf und ich werde mir bewusst, dass ich eine Rasenkante angefahren und durchbohrt habe. Leider die selbe Rasenkante, die auf meine genauen Anweisungen – aus dem Liegestuhl heraus – suuuupergenaue 360° aufweisen musste, als mein Mann sie auf meinen Wunsch hin von Hand zurechtgebogen hatte. Nun gut, vielleicht wächst ja Gras darüber, haahaa. Inzwischen zählen unsere paar Quadratmeter Rasen ganze neun nackte, hässliche, braune Löcher. Vor mir erscheint das Bild meines Mannes wie er wochenlang liebevoll Rasensamen ausgestreut, gewässert und Unkraut gezupft hat. Vielleicht kann ich ja ein paar wilden Bikern die Schuld geben, die in unseren Garten eingebrochen sind?

Um dem Ganzen dann doch noch eine gepflegte Note zu geben, hole ich dieses Rasenkanten-Mäh-Dings (Feminismus, yaaay). Ganz geheuer war es mir nie, ich hatte es immer im Verdacht einem die Füsse zu zerhacken, wenn man nicht aufpasst. Das Gesamtbild verbessert sich dadurch mässig, wenn auch nur bis zur Hälfte des Gartens. Dann, wie könnte es anders sein, reisst der Mähfaden (eine gestandene, moderne Frau von heute wüsste bestimmt wie das Ding heisst). Ich kapituliere. Die Kapitulation geht soweit, dass der Strauch uneingepflanzt liegen bleibt, das scheusslichste Gerät der Welt steht noch rum und der nicht mehr funktionierende Kanten-Mäh-Apparat liegt geschändet in der verunstalteten Wiese. Das Ganze erinnert mich etwas an den Rasen am Openair, danach versteht sich. Nun gut, ich werde also wieder auf meine altbekannten weiblichen Talente setzten und meinen Mann bitten auf zu räumen, wenn er nach Hause kommt. Wegen dem Rasen wird er schon nicht allzu böse sein, ich bin ja schliesslich eine Frau, oder? 😉

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